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Wir sippten in der Vindobona

Wir sippten in der Vindobona!

Reychsausritt zur hohen Vindobona  19. Ostermond bis 23. Ostermond a.U. 158
Bericht: Rt AZUR     Bilder: Rt Heart-Rath
 
Wer sich anschickt, einen Reisebericht über Wien zu verfassen, sieht sich sofort schier unauflösbaren Schwierigkeiten gegenüber: Was soll er aus der Fülle des Schönen, des Interessanten, des Faszinierenden wählen, dazu in einer Stadt, deren  Geschichte überreich bis in die Gegenwart wirkt?
Sollen die wichtigen Orte genannt werden, die jeder Führer mit 3 Sternen hervorhebt, oder sollen es die versteckten Besonderheiten sein?

Für unseren Reychsausritt kommt noch ein weiterer Gesichtspunkt hinzu: eine Ansammlung von Individualisten lässt sich nur bei straffer Organisation einem gemeinsamen Programm zuführen und dankenswerter Weise gab es Beides, die vorgeplanten festen Zeiten für Alle, aber daneben reichliche Freiräume für eigene Unternehmungen.

Diese Aspekte haben sich bei unserem Ausritt glücklich ergänzt und damit sei zunächst denjenigen gedankt, die hier in besonderer Weise tätig wurden.

Der Spiritus rector, Rt Belmont, der so überzeugend den Vorschlag ins Spiel brachte, dass alle zustimmten und Rt Für, der sich unverzüglich an die Organisation machen konnte.  Rt Manni-Tu charterte den bewährten Bustransfer zum Flughafen und wieder zurück, Rt Hazard trieb mit milder Genauigkeit die fälligen Geldbeträge ein und Rt Panta-los sattelte uns das Flugross. Aus allen Richtungen und mit immer noch anderen Rössern ritt man in großer Zahl dem gemeinsamen Ziel entgegen. Bei solcher Fülle nimmt es nicht Wunder, dass OHO Gelegenheit fand, seine Spielchen zu treiben. So mussten Jk Winfried und Rt Manni-Tu und die Burgfrau Belmont kurzfristig ihre Teilnahme absagen, wobei Jk Winfried immerhin in Form eines umfang- und hilfreichen Kompendiums über die Wiener Sehenswürdigkeiten präsent war.

OHO hatte es aber auch bis in die Triebwerke unseres doch so schnellen Flugrosses geschafft. Was nützt das schnellste Ross, wenn es nicht rechtzeitig zur Stelle ist? Nachdem schon im Vorhinein, durch Umbuchung der Abflug um zwei Stunden verschoben worden war, kam noch eine Verspätung um eine gute halbe Stunde dazu. 

Alle kamen noch gerade rechtzeitig an unserem Ziel an und wurden von peitschendem Regen und unfreundlicher Kälte erwartet. Der ursprünglich vorgeplante bequeme Zeitrahmen war trotz der Kälte zusammengeschmolzen und wir mussten uns sputen, um rechtzeitig, teilweise mit hängender Zunge bei unserem ersten Programmpunkt in der Wiener Volksoper den Bettelstudenten zu erleben. Man fühlte sich bei dieser wundervollen Aufführung in alte Zeiten versetzt, in eine Architektur, die es bei uns kaum noch gibt, weil bei uns der Modernisierungswahn überall zugeschlagen hat. Prächtige Sänger, inspirierende Inszenierung und köstliche kabarettistische Seitenhiebe rundeten das Erlebnis ab „Die Öngländer hab’n beschloossen, sie wollen uns verloossen…“ oder die drastische Handbewegung, die den neuen amerikanischen Präsidenten charakterisierte. Die Probleme der Anfahrt waren vollkommen verflogen und man ließ den Abend an der Hotelbar oder bei der Wiener Gastlichkeit ausklingen. Rt Vasculär berief sich auf frühe Wiener Kenntnisse und wollte uns zu einem Brauhaus führen, tat das mit so forschem Schritt, dass kaum jemand folgen konnte. Letztlich landeten wir aber bei einem türkisch / kurdischen Cafe, das keinen Wunsch offenließ. Zu später Stunde ging es zur Ruhe und das morgendliche Frühstück war nächsten Tages wie auch in den Folgenden der Treffpunkt für die Tagesplanung. 

Nachdem man sich gestärkt hatte, nahm jeder seinen Belmontschen Führer zur Hand und ging daran, die Stadt zu erobern. Da gab es ganz bunte  Vorstellungen und stellvertretend für die Anderen sei es dem Berichterstatter genehmigt, seine Erlebnisse zu präsentieren, weil er die am besten kennt.

Dem pflichtschuldigen Kniefall vor dem heiligen Stefan folgte der Abstieg in die Kapuzinergruft, wo einem der Atem der Jahrhunderte entgegenschlägt und jeder, der dies zum ersten Mal sieht, hört und riecht, ist überwältigt, solches hinter einer schlichten Fassade erleben zu können. Uns fiel im Vorbeigehen eine äußerst sachkundige Stimme auf, die in das Mikrofon eines Journalisten sprach und wie sich nachher herausstellte zu Frau Dr. Timmermann gehörte. Sie lehnte auch Zwischenfragen von uns nicht ab und machte uns im Hinausgehen das Angebot einer nicht alltäglichen Stadtführung. Wir rührten eifrig die Handytrommel und um 14 h begann für eine nun beträchtlich angewachsene Gruppe beim Hrdlicka – Denkmal vor der Albertina eine Führung, die sich gewaschen hatte.

Dass Frau Dr. Timmermann dabei ungemein Kenntnisreiches über Köln lernte, verdankte sie dem Rt Schall von Bell.

Man sammelte sich wieder im Hotel, um 
geziemend umgezogen – dem zentralen Ereignis zuzueilen, der Sippung in der Vindobona. Da der  ‚Wilde Mann‘ in der Währinger Straße weithin sichtbar angebracht war, fiel es uns leicht, die Burg zu finden.
Das alte Währinger Theater, in dem schon Karl Kraus erste Gehversuche als Schauspieler unternahm (die er dann aber aufgab), ist der Platz, wo sich die Wiener Schlaraffen sesshaft gemacht haben.
 
 
 
Wer den eindrucksvollen Saal betritt, der taucht in alte schlaraffische Geschichte ein. Hier findet man das Praga Banner und die Tür zu deren Burg, die nun den Blick auf das freigibt, was uns davon geblieben ist: die Hinweistafel zur alten Burg der Allmutter (Kopie der Burgpforte
).  

 
 
In der Schmuspause wurde das Museum geöffnet. Die Reichhaltigkeit der Exponate hatte die mystische Stimmung des Rittersaals zu olfaktorisch spürbarer Eindringlichkeit verdichtet
 

 
Die Styxerei versorgte uns unermüdlich mit köstlichen Speisen und labte uns ohne Unterlass.
 
 
Als dann die Sippung begann, wurden im ersten Teil eine Reihe Urkunden verliehen, die zwar meistenteils falsche Daten trugen, aber daran schien sich keiner zu stören. Da war es auch nicht verwunderlich, dass der Einkleber unseres Einritts den Reychsnamen grob verfälschte - so ist das wohl in der Schwindobona.
 
 
Der zweite Teil sah dann von den Unseren den Kn 292, Jk Frank, Rt Vasculär, Rt Pro-let-he, Rt Lola, Rt Belmont (mit Begleitung eines Pilgers) und Rt Schall von Bell auf der Rostra.

 
 
Unserem Organisator maximus, Rt Für, wurde der Titul „Dompteur der wilden Horde von der westlichen Sprachgrenze“ verliehen: da sind wir alle auf die Schreibweise gespannt, wenn die Urkunde denn eintrifft.

Die Fechsungen der Vindobonen und der anderen österreichischen Reyche zeigten eine deutlich verschiedene Färbung in Tonfall und Gestus und sorgten für große Heiterkeit. Der Hofnarr und Rt Jumbo spielten sich den goldenen Ball pausenlos zu, wobei seine Färbung zwischen grotesk und geistreich changierte. Die Mitternachtsstunde war längst vorüber, als das muntere Sippen ein Ende fand und in frohem krystallinischen Treiben an der Hotelbar in der frühen Morgenstunde ausklang.
 
 
Der nächste Tag war vom Programm her unserem Ehrenschlaraffen Florestan gewidmet, sollte doch das ‚Beethovenhaus‘ besucht werden, worunter sich in Wien das Heurigenlokal   ‚Mayer am Pfarrplatz‘ verbirgt. Damit kann man getrost das kulturelle Mäntelchen abstreifen und offen zugeben, dass man sich wie weiland unser Ehrenschlaraffe ‚recht aufgeknöpft‘  den üppigen Tafelfreuden eines solchen Hauses zuwenden möchte. Doch das sollte erst am frühen Abend sein, vorher war wieder der ganze Tag zur freien Verfügung. Also hieß es sich beim Frühstück die mehr oder weniger verkaterten Augen reiben und das inzwischen freundlichere Wetter für die Erkundung der Stadt zu nutzen. 

Da  ging es vom Hotel in alle Himmelsrichtungen je nach Vorlieben: den Einen zog es in die prächtigen Museen, den Nächsten in die Hofreitschule und Andere wollten die Anregungen der Vortagsführung vertiefen. Wieder Andere hatten alte Erinnerungen, denen man nun nachspüren konnte. 

Es sei erneut gestattet, die Erlebnisse des Berichterstatters stellvertretend kurz zu skizzieren:
Die Eindrücke von H. v. Doderers Roman 'Die Strudelhofstiege' wurden wieder wach durch die Besichtigung derselben in der Nähe des wunderbaren Lichtenstein Palais. Bei der amerikanischen Botschaft hat man das Beispiel eines prachtvollen Stadtpalais das durch den Sicherheitswahn der Bewohner mit massivem Eisen eingekastelt ist. Der Narrenturm entzog sich unseren Blicken, weil er vollkommen eingerüstet war: offenbar hatten es einige Narren übertrieben. Ein Blick in die Dreifaltigkeitskirche ließ die Erinnerung an unseren Ehrenschlaraffen Florestan wach werden, denn hier war er eingesegnet worden und wenn wir ein wenig früher dran gewesen wären, hätten es 10.004 hinter seinem Sarg sein können.

Der Weg zurück in die Innenstadt war wie alle Verbindungen durch die U-Bahn einfach und leicht zu finden. Jedesmal wenn man einmal einen Blick in den Stadtplan warf, kamen sofort freundliche Leute, die einem Hilfe anboten. Raunzer haben wir in der ganzen Zeit nicht erlebt!  Hervorzuheben ist noch der Besuch des Schwarzen Kameels , wo man einen edlen Imbiss erhält, ohne auf dem touristischen Trampelpfad zu sein. Diese Anregung führte dann noch zum Besuch des Naschmarktes, wo es zwar inzwischen die wohl unvermeidlichen Marktschreier mit Billigangeboten aber auch sehr hohe Qualität gibt: wir entschieden uns für Letzteres.

Als wir uns auf den Weg zum Beethovenhaus machten, trafen wir in Bus und Bahn viele unserer Freunde, die dasselbe Ziel hatten. 
Die Heurigenmahlzeit war so üppig, dass sie sogar dem unerschrockensten Esser seine Grenzen aufzeigen konnte. Die Lethe war von solcher Qualität, dass ununterbrochen nachgefordert wurde und bei der Endabrechnung doch ein höherer Preis zusammenkam: angesichts der frohen Laune gab es keine Kritik daran, hatten wir doch unserem Ehrenschlaraffen die Reverenz erwiesen.

Der weitere Ablauf ist schon vorgezeichnet:
Hotelbar  lang und intensiv
Schlafen   kurz und tief
Frühstück  notwendig und kommunikativ

Dann aber war etwas anders, denn das Programm startete schon um 10 h mit der Busfahrt zum Neusiedler See. Auch hier eine angenehme Überraschung: touristische Auswüchse, wie man sie aus Königswinter kennt, waren überhaupt nicht zu verzeichnen, im Gegenteil hatten wir eine sachkundige Führung, eine entspannende Seeüberquerung und deftige Atzung in der Pusztascheune.
 
Das war so recht die Vorbereitung nun das vom Ritter Vasculär angestrebte Brauhaus zu früherer Stunde aufzusuchen  und die sehr ordentliche Küche, wie es Rt Pionidas‘ höchstes Lob ist, zu erkunden.

Diesen Tagesablauf hatten die Meisten gewählt, aber es gab auch andere Interessen:  der Belmont`schen Empfehlung folgend bestätigen einige Dagebliebene, dass unter den einladend-eleganten Säulenhallen des CafeCentral kulinarische Köstlichkeiten und gemütvoll-stimmiges Verweilen alle Zeit vergessen lässt; ganz anders bei „Hawelka“, wo die Zeit stehen geblieben ist, der Junior-Chef mit einer nicht ganz sauberen Schürze sich selbst der Gäste annimmt und alles Erleben dort auf einen wienerisch-sympathischen Punkt bringt; bei „Demels“ kann man heute in die Backstube gelangen, höchste Konditoreikunst wird freundlich, modern-offen präsentiert. 

Rt Lola und Angela haben die damalige Gesellschaftskomödie von Hugo von Hoffmannstal mit dem „Schwierigen“ sprachlich filigran inszeniert im ältesten Wiener „Theater in der Josefstadt“ unter rotem Damast, Goldschmuck und venezianischem Lüsterschmuck erlebt; dekadente, leidenschaftliche, intrigante und menschlich-anrührende Spiel-Art boten ein weites Spektrum, das auch für heute nichts offen gelassen hat.   

Voller Erstaunen rieben sich Rtt van Ordal und Heart-Rath die Augen über ihre Erlebnisse im Wiener Stadtsaal. Unter der Überschrift „Science Busters“ waren auf der Bühne fünf Wissenschaftler verschiedener Fakultäten und ein Moderator versammelt, die mit witzigen Einlagen Möglichkeiten des Terrors beschrieben (Viren der Vogelgrippe, Sprengungen, psychologische Griffe, Ermittlungen über den individuellen Körpergeruch, Flugbahnsteuerung von Asteroiden). Wien ist eben nicht nur beschaulich rückwärtsgewandt sondern kann auch eine moderne Melange bieten!

Wer jetzt glaubt, mit dem Dreiklang Hotelbar/Schlafen/Frühstück könne man nur noch die Rückreise einläuten, befindet sich im Irrtum. Von unserer Reiseführerin hatten wir den Hinweis bekommen, dass am Sonntag um 10:30 h in der Jesuitenkirche eine Aufführung der Heiligmesse von J. Haydn besucht werden könne. Inzwischen hatten wir herausgefunden, dass man am Abfahrt-Terminal des CAT zum Flughafen schon eingecheckt und Gepäck abgegeben werden konnte. So war es kein Problem, vor dem Abflug noch dieses ergreifende Erlebnis mitzunehmen. Mit höchster Qualität sangen und spielten sich Chor und Orchester in unsere Herzen. Aber auch der Geistliche gab ein Vorbild für so manchen ausufernden Fechser: seine Predigt dauerte genau 4 Minuten (selbst gestoppt!).

Anzumerken sind noch weitere Untaten des  OHO!
Rt Goldköpfchen wollte auf dem Weg zur Sippung zu schnell eine Straße überqueren und wurde dabei ein Opfer der Glätte. Bei seinem Sturz zog er sich ein großes Hämatom am Auge und einen doppelten Oberarmbruch zu. Dankenswerterweise begleitete ihn Rt Drey zu den notwendigen Klinikbesuchen und kümmerte sich auch weiter um ihn: das ist schlaraffische Freundschaft. Als Rt Goldköpfchen nach einem Tag wieder im Hotel erschien, war er zwar äußerlich ramponiert, aber er strahlte wie man ihn selten vorher gesehen hatte. UHU sei Dank, dass trotz der gravierenden Verletzungen offenbar die Schmerzen gut zu ertragen waren.
 
Zu allem Überfluss hatte uns OHO am Abreisetag noch den Wien-Marathon beschert, der die Stadt überall blockierte. Ausgerechnet Rt Goldköpfchen wurde beim Versuch, die Straße zu überqueren, auf der die Läufer automatenhaft immer weiter vorwärts strebten, von einem kräftigen Athleten über den Haufen gelaufen. Erneut sei UHU Dank, dass er diesmal nur auf das Gesäß fiel, was den Fall passabel abpolsterte. Beim Rückflug bekam er als kleine Wiedergutmachung den Vorteil des priority check in.

Übervoll mit schönen Eindrücken war es uns dann auch egal, dass der Flug wieder eine kräftige Verspätung hatte. Dafür war der Bustransfer nach Bonn zügig und effektiv.